Auszüge aus der Chronik des Musikvereins Unlingen


Für alle, die sich ausführlich über die umfangreiche Geschichte des Musikvereins Unlingen informieren möchte, folgender Hinweis:

Mit viel Liebe und Sachverstand hat unser Flügelhornist Reinhold Schmid zum Kreismusikfest 2005 das Buch "Unser Glück ist Blasmusik" -175 Jahre Vereins- und Heimatgeschichte verfasst.

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175 Jahre Blasmusik in Unlingen
Vor 175 Jahren, „1829“ existierte in Unlingen schon eine organisierte Blasmusik in Verbindung mit einer Bürgermiliz. Dies ist seit einigen Jahren, an Hand von schriftlichen Erwähnungen, Dokumenten, besonders aber durch die damals bekannten Musiker
eindeutig erwiesen.Bis dahin zeugten einige musikalische Beweisstücke, von einer regen Pflege der Blasmusik, um die Mitte des 19. Jahrhunderts.Der Schreiber der 1. Vereinschronik 1969 hat, mangels einer stichhaltigen Erwähnung eines musikalischen
Auftritts, damals das Jahr 1844 zum Ursprungsjahr nominiert.

 

 

 

 
 
1829

Und jede Abteilung mit ihrer Musik…
In einem Zeitungsbericht einer damaligen Wochenzeitung „Schwäbischer Merkur“ im Jahre 1829 ist die erste schriftliche Erwähnung über die Existenz einer Bürgermiliz mit Blasmusik zu lesen.

"Marchtal, 20. Juli
Die Soldaten welche in den Jahren 1814 und 1815 in dem großen Spital der Verbündeten zu Marchtal starben, sind dann auf einer besonderen Begräbnisstätte beerdigt. Schon früher wurde auf dieser ein Denkmal von Holz errichtet, und eine Reihe von Bäumen um dieselbe gepflanzt, kürzlich ließ ein Bürger von Marchtal ein steinernes Denkmal mit passender
Inschrift auf derselben herstellen. Seine Einweihung, fand am 8. Juni in Gegenwart der Bürgermilizen von Ehingen, Munderkingen, Zwiefalten und Unlingen statt, welche mit dem Bürgermilitär von Marchtal zusammen über 300 Mann schön montiert und bewaffnet,
jede Abteilung mit ihrer Musik auf die Begräbnisstätte
zogen…“

Die hier erwähnte Begräbnisstätte ist der Soldatenfriedhof hinter dem Wald unweit der B311, zwischen Ober- und Untermarchtal am Weg nach Gütel- und Luppenhofen. Im Register des damaligen Donaukreises ist eine Bürgermiliz von Unlingen gemeldet. Diese Erwähnungen sind für uns Bestätigung dafür, dass in Unlingen eine Bürgermiliz und eine Blasmusikgruppe bestanden hat.Die Bürgermiliz ist nach einigen Jahren wahrscheinlich aufgelöst worden, doch die Blasmusik ist geblieben. Aus dieser Zeit sind keine regelmäßigen Aufzeichnungen von musikalischen Auftritten vorhanden. Jedoch belegen Namen von Musikern und Begebenheiten eine fortlaufende Blas- und Volksmusiktradition in Unlingen.
 
 
1867
Gründung eines Militärvereins mit Musikkapelle in Unlingen.
 
 
1871
Fahnenweihe des Militärvereins zu Ehren der siegreich heimgekehrten Bürgersöhne.Von diesem Jahr an beteiligt sich der Militärverein mit Musikkapelle und Fahne bei größeren bürgerlichen oder kirchlichen Festen sowie Hochzeiten und Beerdigungen von Vereinskameraden. Die Kapelle zählte 13 Musiker. Auch ist die Unlinger Blechblasmusik in der näheren und weiteren Umgebung sehr bekannt und gefragt. Dirigent
war bis zum Jahr 1910 Eberhard Munding. Ihm folgte nach seinem frühen Tod Konrad Maier.
 
 
1914
Während des 1. Weltkrieges trat Stillstand in der musikalischen Tätigkeit ein.
 
 
1919
Sofort nach Kriegsende begann Konrad Maier, mit den noch aus dem Krieg heimgekehrten Musikern, vorerst nur die örtlichen Anlässe zu bestreiten. Doch nach und nach verstärkten wieder junge Musiker die Kapelle.
 
 
1924

Nach dem 1922 Fritz Rieber die Leitung der Kapelle übernommen hatte, musste sie zu ihrem früheren Können und Bekanntheitsgrad aufgelaufen sein. Dies wird in der damaligen Heimatzeitung, herausgegeben von Hans Reyhing, in eindeutiger Weise bekundet. In einer Heimatbeschreibung des Riedlinger Donautales schreibt er:

„Grüß Gott im Riedlinger Donauland
...Da liegt das stattliche Ertingen, die Heimat von Michel Buck dem berühmten Sohne der Riedlinger Gegend. Da liegt auch Neufra mit seinem schmucken Schloss. Im breiten, sattem Kornland ist dort auch das alte Unlingen, und die alte, weit bekannte Unlinger Blechmusik hat schon zu Zeiten der Väter die Herzen und die Tanzbeine der Riedlinger Gegend in Schwung gebracht. „Spieleut machet auf, dass ma` eu hört J hab a Tänzere `s ist der Müh wert.“Das ist ein Klang und Ton, der gar nicht fremd ist im Riedlinger Donautal, wo sich allzeit auch gerne die Wellen von Scherz und Frohsinn von einem Talhang zum anderen haben tragen lassen...“

 
 
1926
Ein wichtiges Jahr in der Vereinsgeschichte des Musikvereins Unlingen. Am 5. April dieses Jahres gründeten 13 Musiker aus Idealismus und Freude zur Blas- und Volksmusik einen eigenen Musikverein Unlingen aus nur aktiven Mitgliedern. In den 14 Paragraphen umfassenden Statuten legten sie die Grundlagen und Voraussetzungen
für eine geordnete und disziplinierte Vereinsarbeit. Dirigent und Vorstand ist Hugo Bendel sen., sein Stellvertreter Karl Munding (Peterwirt).
 
 
1927
Beschaffung von Uniformmützen und erste Fotoaufnahme von der Kapelle auf dem Markplatz unter der Dorflinde nach einem Platzkonzert anlässlich des Annafestes.
 
1932
Beim Musikfest in Zwiefalten erreichte die Kapelle ihren ersten Höhepunkt. Sie erspielte beim Wertungsspiel in der Unterstufe einen 1a - Preis und war damit zweiter von allen in dieser Stufe.
 
 
1937
Nahm die seit 1934 von Dirigent Karl Munding, geleitete Unlinger Musik beim Volksmusiktag in Riedlingen in der Unterstufe wieder „mit gutem Erfolg“ teil.
 
1939
Bei Kriegsausbruch musste auch der Musikverein seine Mitglieder dem Vaterland zur Verfügung stellen, so dass der Verein am 31. Dezember nur noch 4 Mitglieder zählte und aufgelöst wurde.
 
 
1946
Nach dem verlorenen und vernichtenden Krieg, war es Hugo Bendel sen., schon ehemals Dirigent, der unter schwierigen und mühevollen Bedingungen wieder einen Neuanfang mit jungen Musikern wagte.
 
 
1949
Neugründung des Musikvereins Unlingen mit Dirigent Hugo Bendel sen. und 11 Musikern. Im Jahr 1948 war schon der Anschluss an den Süddeutschen
Volksmusikerbund erfolgt. In den Folgejahren sind immer wieder junge Musiker ausgebildet und in die Kapelle integriert worden. Im Jahr 1958 ist Hugo Bendel sen. ob seiner außerordentlichen Verdienste um den MV Unlingen, als Gründungsmitglied
und Dirigent 1926, und der Neuaufbauleistung nach dem Krieg, zum Ehrendirigenten ernannt worden.
 
 
1955
Vorstand Otto Koch kann nach dem Rücktritt von Hugo Bendel sen., den ehemaligen Militärmusiker Karl Schmid aus Unlingen als neuen Dirigent gewinnen. Unter ihm erlebte die Unlinger Musik einen enormen Aufschwung und einen guten Mittelstufenplatz.
 
1959
Nach dem erfolgreichsten Wertungsspiel unter Karl Schmid beim Musikfest in Aufhofen (Schemmerh.) in der Mittelstufe mit 117 Punkten, stellt sich die Kapelle und Vorstand Anton Horndasch mit den 1957 beschafften Uniformen dem Fotografen.
 
 
1967
Mit dem neu gewählten Vorstand Rudolf Schmid und dem bereits seit 1964 amtierenden Kassier Hugo Bendel jun. beginnt die große Erfolgs - Ära des Musikvereins Unlingen. Auch war Georg Buck aus Herbertingen, der das Dirigat 1966 von dem krankheitshalber ausscheidenden Karl Schmid übernommen hat, daran mit beteiligt. Denn ein Jahr später schon, führte Georg Buck die Kapelle durch eine weitere Leistungssteigerung von der Mittel- in die Oberstufe.
 
 
1969
Kreismusikfest des Kreisverbandes Saulgau in Unlingen
Dieses Musikfest war ein Großereignis wie die Gemeinde Unlingen in den letzten hundert Jahren keines erlebt hatte. Ein grandioses Festprogramm gab den gebührenden Rahmen zur Jubiläumsfeier „125 Jahre Blasmusik in Unlingen“. Dafür wurde dem Musikverein die Bundesehrenmedaille in Gold verliehen.
52 Musikkapellen nahmen am Festzug und 23 am Wertungsspiel teil. Diese musikalische Großdemonstration der Blas- und Volksmusik hat in der Öffentlichkeit ihren Stellenwert gehoben und gefestigt. Mit der Ausrichtung dieses glanzvollen Festes zeigte der Verein eindrucksvoll zu welcher Leistung er mit Unterstützung der Gemeinde fähig war.
 
 
1970
Mit der Verleihung, der von Bundespräsident Gustav Heinemann gestifteten „Pro Musica
Plakette“
durch Landrat Dr. W. Steuer am Annafest wird die 125-jährige Blasmusiktradition
in hohem Maße ausgezeichnet und gewürdigt.
 
 
 
1972
Altershalber legt Musikdirektor Georg Buck den Taktstock zum Jahresende nieder. Nach einer kurzen Aushilfzeit durch Kurt Hipper aus Unterstadion übernahm Musikdirektor Rudi Hoffmann
aus Munderkingen die Dirigententätigkeit in Unlingen. Ihm gelang, auch begünstigt durch die zeitgleiche Änderung der Wertungsspielordnung -Pflichtchor anstatt Stundenchor- was seinem Vorgänger nie vergönnt war. Rudi Hoffmann erspielte in den vier Folgejahren bei den Wertungsspielen in der Oberstufe jedes Mal einen 1. Rang mit Auszeichnung.
 
 
1975
Bau des neuen Vereinsheimes
Beflügelt durch die musikalischen Erfolge, der guten Kameradschaft und einer starken Leistungsbereitschaft der Mitglieder
einerseits, als auch der guten finanziellen Grundlage andererseits, bewog es die agile Vorstandschaft zu diesem großen Vorhaben. In einer Bauzeit von nur elf Monaten, konnte dieses Haus mit Unterstützung vieler Firmen und Personen als auch großzügiger Geld- und Sachspenden und Kraft einer beispielhaften Kameradschaft, in 6000 Stunden Eigenleistung erstellt werden. Mit berechtigtem Stolz ob dieser vollbrachten außergewöhnlichen Leistung und mit Freude, über das rundum gelungene stattliche Bauwerk, konnte dieses Haus am 1. November 1975 feierlich eingeweiht werden. Das neue Domizil eröffnete dem Verein fast alle Möglichkeiten einer zukunftsträchtigen und umfangreichen Jugend- und Vereinsarbeit.
 
 
1980
2. Kreismusikfest in Unlingen
Mit diesem wiederum großartigen und glanzvollen Kreismusikfest galt es die Riedlinger Region, früher zum Kreis Saulgau gehörend, auf musikalischer Ebene in den Kreis Biberach und seinem Blasmusikverband zu integrieren. Auch konnte und sollte die idealistische Jugend- und Vereinsarbeit in der Blas- und Volksmusik einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden.Zu diesem großen Ereignis hat der Musikverein Unlingen eine neue „historische Tracht“ beschafft. Sie stellt die Bekleidungsart der Menschen in der Bussengegend in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dar.
 
1984
Gründung eines eigenen Ausbildungskonzeptes für den Musikverein Unlingen. Obwohl sie nie vom Land und von Verbänden finanziell unterstützt wurde, kann auf Grund der ehrenamtlichen Verwaltung und der zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten eine doch relativ kostengünstige Jugendausbildung geboten werden. Ein Jahr zuvor hat Walter Baumann nach längerer Dirigentensuche und Aushilfe durch Siegfried Rundel die Dirigentenstelle angetreten.
 
 
1985
Fünf Jahre nach dem Kreismusikfest ist die Weihe der Vereinsfahne ein weiteres, markantes Festereignis in der Vereinsgeschichte.
Dank großzügiger Spendengelder konnte die Fahne angeschafft werden. Dieses wurde anlässlich des Annafestes in Verbindung mit einem Musikertreffen gebührend gefeiert.
 
 
1987
Nach 20 Jahren tritt Vorstand Rudolf Schmid von seinem Amt zurück. Aus Dank und der Anerkennung für die fast unermesslichen Verdienste um den Verein, und die vielen Leistungen, die er selbst und sein Betrieb in den Musikverein Unlingen eingebracht haben, ernennt ihn der Verein zum Ehrenvorstand. Hatte doch sein praktischer Tatendrang gemeinsam mit dem umsichtigen und erfahrenen Kassier jun. Hugo Bendel, den Musikverein Unlingen auf eine, ziel- und zukunftsorientierte Erfolgsstraße geführt.
 
 
1988
Nach dem Ausscheiden von Dirigent Walter Baumann und der kurzeitigen Aushilfe von Christoph Heidel aus Deuchelried, hat unter dem nur zwei Jahre amtierenden Vorstand Reinhold Schmid (Tenorhorn), Harald Hepner aus Heudorf die musikalische
Leitung der Kapelle übernommen. Schon bald konnte der damals noch junge Dirigent sein großes musikalisches Talent mit der Kapelle allseits unter Beweis stellen. Er formte mit seinem einzigartigen Dirigat aus der Kapelle in seiner 12-jährigen Unlinger Tätigkeit ein großes, klangvoll, dynamisch und ausdruckvoll musizierendes
Blasorchester, das von sich Reden machte. Die Art und der Stil seiner Konzerte setzten neue Maßstäbe in der Blasmusik. Neben großen Erfolgen bei Wertungsspielen konnte Harald Hepner mit musikalisch außergewöhnlichen Veranstaltungen wie (Gemeinschaftskonzert „Chöre und Musikverein Unlingen“) seine Zuhörer immer aufs neue in Erstaunen versetzen.
 
 
1995
150 Jahre Blasmusik und Kreismusikfest in Unlingen Hugo Bendel jun., Vorstand seit 1989, proklamierte 1994 bei der Jahreshauptversammlung, das Jubiläumsjahr „150 Jahre Blasmusik in Unlingen“. Musikalische Feierstunden, mehrere Konzerte, eine feierliche Totenehrung und am Ende ein alles krönendes Kreismusikfest 1995, gaben diesem Jubiläumjahr den gebührenden Rahmen.
 
1998
Im Bewusstsein seiner handwerklichen Leistungsstärke und Bereitschaft
entschloss sich der Musikverein, die durch die inzwischen enorm gewachsene Jugendausbildung entstandene Raumnot mit einem Erweiterungsbau zu beseitigen. Dem Beispiel der Vorgänger - Generation folgend, erstellten die Vereinsmitglieder wieder in mehreren tausend Stunden Eigenleistung diesen notwendigen Anbau.
 
 
2000
Am Annafest beendet Harald Hepner seine 12-jährige Unlinger Dirigententätigkeit. Ohne die Leistung seiner Vorgänger schmälern zu wollen - Harald Hepner hat in Unlingen Musikgeschichte gemacht. 2000 hat Jugendleiter Peter Schirmer das Konzert des Musikvereins dirigiert. Danach haben Christine Gramsch und Peter Selig übergangsweise dirigiert.
 
 
2001

An der Jahreshauptversammlung tritt Vorstand Hugo Bendel von seinem Amt zurück. Mit Hugo Bendel tritt ein Mann von der Bühne, der wie kein anderer bisher, in der Vereinsgeschichte den Verein gestaltet und geprägt hat. Er war in 40 Jahren ein unermüdlicher Verwalter, Organisator, als auch Denker und Lenker. In all diesen Jahren war er an der Vereinsentwicklung maßgeblich beteiligt und hat sich um den Musikverein verdient gemacht. Hugo Bendel hat Vereinsgeschichte auf seine Art geschrieben.Werner Gramsch wird sein Nachfolger. Unter ihm beginnt eine neue Ära. Er setzt Teamarbeit, und teilt die Vereinsorganisation in mehrere Kompetenzbereiche auf.Zwei Jahre nach Harald Hepner tritt Bernd Buck aus Herbertingen, Enkel von Georg Buck die Leitung der Musikkapelle an.Werner Gramsch und Bernd Buck sind sich des großen Erbes und der hohen Tradition bewusst und setzen ihre Zeichen.Bernd Buck führt das Blasorchester 2004 auf musikalischer Ebene zu dem wohl erfolgreichsten Jahr der Vereinsgeschichte:Kreismusikfest in Attenweiler: Oberstufe, hervorragender ErfolgInternationales Musikfest in Munderkingen: Oberstufe, 1. PreisUnter Werner Gramsch bewirbt sich der Musikverein Unlingen, um die Ausrichtung des Kreismusikfestes 2005. Die Unlinger Musiker stellen dieses Fest unter das für sie und viele andere sprechende Motto:

-- Unser Glück ist Blasmusik --

   

 


© Musikverein Unlingen 2007